BSE: jetzt auch ernsthafte Bedenken in den USA (24.01.2001)


   Hamburg (ots) - Michael Henson, BSE-Experte des amerikanischen Verbraucherverbandes

Consumers Union hält die staatlichen Maßnahmenzum Schutz gegen den Rinderwahn für "absolut unzureichend".

In derjüngsten Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT fordert er umfangreicheSchutz- und Kontrollmaßnahmen: Ein völliges Verbot der Tiermehlverfütterung, eine weitgehende Kontrolle derFuttermittelhersteller sowie eine Ausweitung der BSE-Tests in den USA.      

Knapp 100 Millionen Rinder stehen auf den Weiden und in den

Ställen der USA, 36 Millionen werden jährlich geschlachtet, 80Millionen Portionen Rindfleisch konsumieren die Amerikaner täglich.Amerikas Farmer produzieren ein Viertel des weltweitenFleischbedarfs. Angesichts dieser Zahlen zeigt sich Henson alarmiertüber Missstände bei den staatlichen Kontrollen:      

Bis 1997 durfte Tiermehl in den USA auch an Rinder verfüttert

werden. In das Futter gelangten auch die sogenannten downer cows,Rinder, die aus unerfindlichen Gründen zusammenbrachen undnotgeschlachtet werden mussten - 25 000 bis 1 Million Tiere jährlich.Nur ein winziger Bruchteil von ihnen wurde bisher auf BSE getestet.Auch nach dem Verfütterungsverbot von Tiermehl an Wiederkäuer ist dasTiermehl nicht sicher. Wie eine aktuelle Studie der für Lebensmittelzuständigen Food and Drug Administration (FDA) zeigt, hält sich einDrittel der kontrollierten Futtermittelhersteller nicht an dieKennzeichnungspflicht für Tiermehlzusätze. Ein Viertel der Betriebetrennt die Produktion von Rinder- und anderem Kraftfutter, das nachwie vor Tiermehl enthalten kann, nicht voneinander. Damit sindVerunreinigungen, wie sich auch in Deutschland nachgewiesen wurden,höchstwahrscheinlich.     

Eine Entwicklung macht die Verbraucherschützer besonders besorgt:

Nach der Verfütterung von Tiermehl aus Rinderkadavern entwickeltenamerikanische Zuchtnerze aus elf verschiedenen Beständen BSE-ähnlicheSymptome. Zudem wütet in Nordamerika unter Rotwild und Elchen eineBSE-verwandte Krankheit, die chronic wasting disease (CWD). Sie ist,wie Laborexperimente zeigen, prinzipiell auch auf den Menschenübertragbar. Auch wenn die FDA bisher jeden Zusammenhang leugnet,gibt es bereits drei verdächtige Todesfälle: Im vergangenen Jahrstarben zwei Männer und eine Frau an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.Alle drei hatten wiederholt Rotwildfleisch konsumiert und waren - fürdie Krankheit absolut untypisch - unter 30 Jahre alt.      Linda Detwiler, die zuständige Veterinärmedizinerin imUS-Agrarministerium, will jetzt die BSE-Tests ausweiten. Vor allemdie downer cows sollen intensiver untersucht werden. "Wir tun alles,um uns nicht in Sicherheit zu wiegen." Steven Sundlof, FDA-Direktorfür Veterinärmedizin mag sich einen BSE-Ausbruch in den USA gar nichtvorstellen: "Mit einem Wort: Das wäre verheerend!"

  

  

Quelle: DIE ZEIT, Nr. 05/2001, Donnerstag, 25. Januar 2001

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