Der
Fleischmarkt bricht zusammen
Ein Viertel der
Deutschen isst kein Rindfleisch mehr. Die Hälfte hat Angst vor der Seuche. Rindfleischkonsum
ist um 80 Prozent gesunken. Der Fleischwirtschaft droht eine wirtschaftliche
Katastrophe.
Berlin -
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Seit dem ersten Fall von Rinderwahn in Deutschland am 24. November sei der inländische Rindfleischverbrauch um rund 80 Prozent zurückgegangen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Fleischwirtschaft, Manfred Härtl, auf der Grünen Woche in Berlin. Dadurch könnten bis zu 10.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Angesichts der "dramatischen Lage" appellierte Härtl an die Bundesregierung und forderte für die Beschäftigten staatliche Überbrückungshilfen.
Über die Hälfte der Deutschen habe wegen der BSE-Krise die Ernährung umgestellt. In einer Untersuchung des Instituts für Demoskopie in Allensbach gab rund ein Drittel der 2107 Personen an, jetzt weniger Rindfleisch zu essen. 24 Prozent essen gar kein Rindfleisch mehr. Fast die Hälfte der Befragten fühlt sich durch die Seuche gefährdet.
Selbst importiertes Rindfleisch, überwiegend aus Argentinien, sei "in den Sog des aktuellen Konsumverhaltens" geraten, sagte auf der Grünen Woche der Vizevorsitzende des Verbands der Fleischwirtschaft. Mit Ausnahme der Steak-Häuser hätten viele Gastronomiebetriebe generell Rindfleisch von der Karte genommen. Als Folge sei der Preis außergewöhnlich stark um sechs bis acht Mark pro Kilogramm gesunken. Dies habe zu einer "akuten Existenzgefährdung für viele kleinere und mittlere Handels- und Importunternehmen" geführt.
Wegen des immensen Rückgangs von 50 Prozent beim Wurstkonsum sei auch der Markt für Schweinefleisch in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Preise hätten sich "drastisch verschlechtert".
Das Vertrauen der Verbraucher will der Verband durch kontrollierte Produktion vom Stall bis zur Auslieferung der Fleischteile wiedergewinnen, bescheinigt durch ein Prüfsiegel. Ein "sehr guter Ansatz" seien die von Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast vorgeschlagenen staatlichen Gütesiegel für ökologisch und konventionell produzierte Lebensmittel.
Quelle: www.spiegel-online.de