Erstes BSE-Opfer unter deutschen Wurstfabriken
Bremen/Berlin (vwd/AFP) - In der BSE-Krise gibt es ein erstes Opfer unter Deutschlands Wurstfabriken: Wie der Fleischwarenkonzern Könecke-Redlefsen in Bremen ankündigte, schließt er sein Berliner Werk am 31. Mai. Der Schritt zeige "das ganze Ausmaß der BSE-Krise", sagte der Sprecher der Karl Könecke Fleischwarenfabrik GmbH & Co. KG., Ulrich Plönissen, der Nachrichtenagentur AFP. In einem Schreiben an die Berliner Belegschaft erklärte die Könecke-Geschäftsleitung: "Ein Ende der Krise ist zur Zeit nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil wird jetzt bereits diskutiert, ob BSE nicht auch über Milch und Milchprodukte übertragen werden kann." Die Geschäftsleitung machte "eine negative Berichterstattung und 'Panikmache' in den Medien" für den Absatzrückgang des auf frische Rohwurst spezialisierten Werkes und damit letztlich auch für dessen Schließung verantwortlich. Die Berichterstattung habe die Verbraucher so sehr beeinflusst, dass sie vielfach ganz auf Rindfleisch und rindfleischhaltige Produkte verzichteten, hieß es in dem AFP vorliegenden Schreiben. Plönissen sagte dazu, einigen Medien sei es nur um Schlagzeilen gegangen und nicht um sachliche Aufklärung. Die Verbraucher seien wegen der Berichterstattung zum Thema BSE und Creutzfeldt-Jakob so verunsichert worden, dass einige "gar nichts mehr kaufen". Besonders groß sei die Skepsis gegenüber unverpackten und unetikettierten Fleischprodukten. In Berlin wurden Plönissen zufolge bisher 6.000 t der Jahres-Konzernproduktion von insgesamt 62.000 t Wurstwaren hergestellt. Die Fertigung brach seit dem ersten bestätigten BSE-Fall an einem deutschen Rind Ende November um die Hälfte ein. Nachdem bereits den Saisonarbeitern und Arbeitern mit kurzfristigen Verträgen gekündigt worden sei, sollten den 61 fest angestellten Berliner Arbeitern Stellen an den anderen Konzernstandorten angeboten werden. Könecke-Redlefsen produziert noch in Bremen, Delmenhorst sowie im schleswig-holsteinischen Satrup. Der Gesamtkonzern beschäftigt 1.500 Menschen. Könecke produziert Waren unter eigenem Namen sowie Eigenmarken von großen Handelspartnern. 70 Prozent des Gesamtumsatzes entfallen auf SB-verpackte Produkte. vwd/19.1.2001/mi