EU-Schlachtprogramm
gestartet
Eine Verordnung mit
Hindernissen
| Ob
BSE-Krise oder Maul- und |
europaweites
Schlachtprogramm verabschiedet. Ab kommenden Montag
(26.03.01) sollen
allein in Deutschland rund 400.000 Rinder, die älter als 30
Monate sind, getötet
und anschließend verbrannt werden. An der
Durchführung der Aktion
beteiligen sich bundesweit 20 Schlachthöfe, davon
vier in Nordrhein-Westfalen.
Doch der Transport dorthin ist nicht so einfach:
Wegen der in Europa
grassierenden Maul- und Klauenseuche (MKS)
müssen die Landwirte
strenge Auflagen in Kauf nehmen.
Wohin mit dem lieben
Vieh?
Die Kuhställe in NRW
sind überfüllt. Viele Bauern haben auf den Start des
EU-Schlachtprogramms
und den damit erhofften Aufwärtstrend für die
Rindfleischpreise
gewartet. Die Stimmung unter den Landwirten ist allerdings
durchwachsen:
Einerseits wächst die Hoffnung auf verbesserte Einnahmen,
andererseits ist vielen
bei dem Gedanken, dass die Kühe zu Tiermehl
verarbeitet und
anschließend verbrannt werden sollen, gar nicht wohl
zumute.
Doch weitaus größere
Bauchschmerzen bereiten den Landwirten die wegen
der Maul- und
Klauenseuche verschärften Transportauflagen. "Bevor die
Kühe überhaupt zum
Schlachthof transportiert werden können, müssen sie
vom zuständigen
Kreistierarzt auf eine mögliche MKS-Infektion untersucht
werden", erklärt
Bernhard Rüb, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer
Rheinland die Prozedur
des EU-Programms. Die zur Tötung freigegebenen
Tiere dürften
anschließend nur vom jeweiligen Betrieb direkt zum
Schlachthof gebracht werden. Sammeltransporte mehrerer
Bauernhöfe sind
nicht erlaubt. Für die
Organisation und die Begleichung der Kosten seien die
Landwirte außerdem
selbst verantwortlich. "Der schmale Gewinn wird damit
noch einmal
reduziert", klagt Rüb.
Der lange Weg zum
Schlachthof
Und auch die
Transportwege sind nicht zu
unterschätzen.
Insgesamt 22 Schlachthöfe
aus dem gesamten
Bundesgebiet haben
auf die Ausschreibung
der Bundesanstalt
für Landwirtschaft und
Ernährung (BLE) in
Frankfurt zur
Durchführung des
EU-Programms reagiert. 20 Betriebe haben
nun den Zuschlag
erhalten. Die letztlich
entstandene
geografische Verteilung ist dabei ein reines Zufallsprodukt.
Folglich müssen beispielsweise
Bauern aus dem Süden
Nordrhein-Westfalens,
die ihre Kühe in der nächsten Woche endlich zum
Schlachter bringen
wollen, teilweise weite Transportstrecken nach
Paderborn, Recke, Aachen
oder Euskirchen in Kauf nehmen. Rüb: "Wir
wissen gar nicht, wie
das angestrebte Kontigent von Rindertötungen
eingehalten werden
soll." Immerhin muss das Schlachtprogramm laut
EU-Vorgaben bis zum 30.
Juni abgeschlossen sein. Zudem handelt es sich
um eine Aktion, an der
die Landwirte freiwillig teilnehmen können. Inwiefern
die Bauern sich an dem
Schlachtprogramm der EU beteiligen werden, bleibt
abzuwarten.
Wieder Fleisch auf
Halde?
Theoretisch hat sich
Verbraucherschutzministerin Renate Künast
vorgenommen, bis Ende
April 100.000 Rinder zu vernichten. In einer
anschließenden Phase
können die EU-Mitgliedsländer selbst entscheiden,
ob sie das Fleisch
weiterhin zu Tiermehl verarbeiten und verbrennen oder
einlagern. Die Lagerung
stellt die Regierung jedoch vor finanzielle
Schwierigkeiten, da sie
diese auf eigene Kosten durchführen muss.
Außerdem ist nicht
gesichert ist, ob das Fleisch zu einem späteren
Zeitpunkt tatsächlich
verkauft werden kann. Die Kosten für das
EU-Schlachtprogramm
werden zu 70 Prozent von der EU übernommen. Die
restlichen 30 Prozent steuern die beteiligten Mitgliedsländer der Union bei.