EU-Schlachtprogramm gestartet

 

                       Eine Verordnung mit Hindernissen

 

Ob BSE-Krise oder Maul- und   Klauenseuche - den Verbrauchern ist  schon lange der Appetit vergangen. Seit   Bekanntwerden des ersten BSE-Falles in   Deutschland ist die Talfahrt der   Rindfleischpreise nicht mehr aufzuhalten. Der Markt droht zu kollabieren. Als   Gegenmaßnahme hat die EU am Freitag (16.03.01) ein

                                                                       

                       europaweites Schlachtprogramm verabschiedet. Ab kommenden Montag

                       (26.03.01) sollen allein in Deutschland rund 400.000 Rinder, die älter als 30

                       Monate sind, getötet und anschließend verbrannt werden. An der

                       Durchführung der Aktion beteiligen sich bundesweit 20 Schlachthöfe, davon

                       vier in Nordrhein-Westfalen. Doch der Transport dorthin ist nicht so einfach:

                       Wegen der in Europa grassierenden Maul- und Klauenseuche (MKS)

                       müssen die Landwirte strenge Auflagen in Kauf nehmen.

 

                       Wohin mit dem lieben Vieh?

 

                       Die Kuhställe in NRW sind überfüllt. Viele Bauern haben auf den Start des

                       EU-Schlachtprogramms und den damit erhofften Aufwärtstrend für die

                       Rindfleischpreise gewartet. Die Stimmung unter den Landwirten ist allerdings

                       durchwachsen: Einerseits wächst die Hoffnung auf verbesserte Einnahmen,

                       andererseits ist vielen bei dem Gedanken, dass die Kühe zu Tiermehl

                       verarbeitet und anschließend verbrannt werden sollen, gar nicht wohl

                       zumute.

                       Doch weitaus größere Bauchschmerzen bereiten den Landwirten die wegen

                       der Maul- und Klauenseuche verschärften Transportauflagen. "Bevor die

                       Kühe überhaupt zum Schlachthof transportiert werden können, müssen sie

                       vom zuständigen Kreistierarzt auf eine mögliche MKS-Infektion untersucht

                       werden", erklärt Bernhard Rüb, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer

                       Rheinland die Prozedur des EU-Programms. Die zur Tötung freigegebenen

                       Tiere dürften anschließend nur vom jeweiligen Betrieb direkt zum

                       Schlachthof gebracht werden. Sammeltransporte mehrerer Bauernhöfe sind

                       nicht erlaubt. Für die Organisation und die Begleichung der Kosten seien die

                       Landwirte außerdem selbst verantwortlich. "Der schmale Gewinn wird damit

                       noch einmal reduziert", klagt Rüb.

 

                       Der lange Weg zum Schlachthof

 

                       Und auch die Transportwege sind nicht zu

                       unterschätzen. Insgesamt 22 Schlachthöfe

                       aus dem gesamten Bundesgebiet haben

                       auf die Ausschreibung der Bundesanstalt

                       für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in

                       Frankfurt zur Durchführung des

                       EU-Programms reagiert. 20 Betriebe haben

                       nun den Zuschlag erhalten. Die letztlich

                       entstandene geografische Verteilung ist dabei ein reines Zufallsprodukt.

                       Folglich müssen beispielsweise Bauern aus dem Süden

                       Nordrhein-Westfalens, die ihre Kühe in der nächsten Woche endlich zum

                       Schlachter bringen wollen, teilweise weite Transportstrecken nach

                       Paderborn, Recke, Aachen oder Euskirchen in Kauf nehmen. Rüb: "Wir

                       wissen gar nicht, wie das angestrebte Kontigent von Rindertötungen

                       eingehalten werden soll." Immerhin muss das Schlachtprogramm laut

                       EU-Vorgaben bis zum 30. Juni abgeschlossen sein. Zudem handelt es sich

                       um eine Aktion, an der die Landwirte freiwillig teilnehmen können. Inwiefern

                       die Bauern sich an dem Schlachtprogramm der EU beteiligen werden, bleibt

                       abzuwarten.

 

                       Wieder Fleisch auf Halde?

 

                       Theoretisch hat sich Verbraucherschutzministerin Renate Künast

                       vorgenommen, bis Ende April 100.000 Rinder zu vernichten. In einer

                       anschließenden Phase können die EU-Mitgliedsländer selbst entscheiden,

                       ob sie das Fleisch weiterhin zu Tiermehl verarbeiten und verbrennen oder

                       einlagern. Die Lagerung stellt die Regierung jedoch vor finanzielle

                       Schwierigkeiten, da sie diese auf eigene Kosten durchführen muss.

                       Außerdem ist nicht gesichert ist, ob das Fleisch zu einem späteren

                       Zeitpunkt tatsächlich verkauft werden kann. Die Kosten für das

                       EU-Schlachtprogramm werden zu 70 Prozent von der EU übernommen. Die

                       restlichen 30 Prozent steuern die beteiligten Mitgliedsländer der Union bei.