Diese Jeanne d'Arc soll leben


                Holsteiner Bauern verstecken das Kälbchen einer BSE-Kuh

                vor dem Schlachter

Von Peter Dausend

      Diese Jeanne d'Arc soll leben

                Holsteiner Bauern verstecken das Kälbchen einer BSE-Kuh

                vor dem Schlachter

                                     Von Peter Dausend

                                     Berlin - Die Geschichte der

                                     Menschheit, wer wüsste das nicht,

                                     ist voller Opfer. Vor allem unter den

                                     Tieren. Abel opferte ein Lamm, Jesu

                                     Eltern zwei Tauben, Pythagoras,

                                     nachdem er einen Satz gemacht

                                     hatte, 100 Rinder. Nun scheint aber

                                     die Menschheit auf ihrem langen

                                     Marsch aus dem Paradies in die

                                     Europäische Union etwas das Maß

                                     verloren und die Ziele komplett neu

                definiert zu haben. Gleich zwei Millionen Rinder will sie jetzt

                opfern, 400 000 davon allein in Deutschland. Nicht um Gott zu

                danken, sondern um den Marktpreis zu stabilisieren. So ist das

                halt, wenn man die Krönung der Schöpfung ist und die Untertanen

                wahnsinnig werden.

                Womit wir bei Jeanne d'Arc wären. Nein, nicht bei der Jungfrau

                von Orleans, obwohl auch die, wie manche glauben, nicht ganz

                stabil durchs allzu kurze Leben schritt. Sondern bei Jeanne d'Arc,

                dem Kälbchen von Dithmarschen. Am vergangenen Montag kam

                es zur Welt - und seitdem ist es Anlass zu jeder Menge

                Aufregung, ein Zankrind zwischen Bauern und Behörden. Jeanne

                hatte das Unglück, in eine Herde hineingeworfen zu werden, die

                nach einem BSE-Fall gerade auf dem Weg zur Schlachtbank war

                - Bestandskeulung, wie das so schön archaisch heißt. Wütende

                Bauern retteten das Junggeborene vor dem Bolzenapparat, gaben

                ihr den Märtyrernamen und versteckten es. Seitdem ist Jeanne

                ein Symbol für den Widerstand der Landwirte und Rüdiger von

                Pliskow, der schleswig-holsteinische Staatssekretär, der die

                Bauern gewähren ließ, ein Politiker mit Problemen. Die

                Opposition fordert seinen Rücktritt, und die Chefin, Landesmutter

                Heide Simonis, ist sauer. Doch ein Ausweg bahnt sich an. Wenn

                Jeanne schon nicht auf den Scheiterhaufen soll, dann aber

                wenigstens in die Forschungsstelle auf der Insel Riems. Ein

                Leben für die Wissenschaft ist ja auch besser als ein Tod für die

                Gesundheit.

                Und nun hofft eine ganze Nation, dass ein Kalb weiterleben darf.

                So etwas beruhigt das Gewissen, wenn man bald 400 000 Rinder

                opfern muss.                               Berlin - Die Geschichte der

                                     Menschheit, wer wüsste das nicht,

                                     ist voller Opfer. Vor allem unter den

                                     Tieren. Abel opferte ein Lamm, Jesu

                                     Eltern zwei Tauben, Pythagoras,

                                     nachdem er einen Satz gemacht

                                     hatte, 100 Rinder. Nun scheint aber

                                     die Menschheit auf ihrem langen

                                     Marsch aus dem Paradies in die

                                     Europäische Union etwas das Maß

                                     verloren und die Ziele komplett neu

                definiert zu haben. Gleich zwei Millionen Rinder will sie jetzt

                opfern, 400 000 davon allein in Deutschland. Nicht um Gott zu

                danken, sondern um den Marktpreis zu stabilisieren. So ist das

                halt, wenn man die Krönung der Schöpfung ist und die Untertanen

                wahnsinnig werden.

                Womit wir bei Jeanne d'Arc wären. Nein, nicht bei der Jungfrau

                von Orleans, obwohl auch die, wie manche glauben, nicht ganz

                stabil durchs allzu kurze Leben schritt. Sondern bei Jeanne d'Arc,

                dem Kälbchen von Dithmarschen. Am vergangenen Montag kam

                es zur Welt - und seitdem ist es Anlass zu jeder Menge

                Aufregung, ein Zankrind zwischen Bauern und Behörden. Jeanne

                hatte das Unglück, in eine Herde hineingeworfen zu werden, die

                nach einem BSE-Fall gerade auf dem Weg zur Schlachtbank war

                - Bestandskeulung, wie das so schön archaisch heißt. Wütende

                Bauern retteten das Junggeborene vor dem Bolzenapparat, gaben

                ihr den Märtyrernamen und versteckten es. Seitdem ist Jeanne

                ein Symbol für den Widerstand der Landwirte und Rüdiger von

                Pliskow, der schleswig-holsteinische Staatssekretär, der die

                Bauern gewähren ließ, ein Politiker mit Problemen. Die

                Opposition fordert seinen Rücktritt, und die Chefin, Landesmutter

                Heide Simonis, ist sauer. Doch ein Ausweg bahnt sich an. Wenn

                Jeanne schon nicht auf den Scheiterhaufen soll, dann aber

                wenigstens in die Forschungsstelle auf der Insel Riems. Ein

                Leben für die Wissenschaft ist ja auch besser als ein Tod für die

                Gesundheit.

                Und nun hofft eine ganze Nation, dass ein Kalb weiterleben darf.

                So etwas beruhigt das Gewissen, wenn man bald 400 000 Rinder

                opfern muss.

Quelle:            www.haller24.de

                        www.welt.de